Ein Abschnitt des Kapitels 8. Hals-, Nasen-, Ohrenerkrankungen, aus dem Buch
„Krankheit als Sprache der Kinderseele“
(ISBN: 978-3-570-10003-5)
» Ich kann mich nicht wehren. «
Auf der Körperebene dient das Abwehrsystem der Verteidigung gegen alle möglichen Erreger und Keime, die den Organismus gern als Siedlungsraum nehmen und folglich ständig bedrohen. Mit seinen oberflächlichen 36 und 37 Grad in der Tiefe der Gewebe eignet er sich diesbezüglich ideal für eine Unzahl von Lebewesen. Hinzu kommt, dass die (Um-)Welt voller unterschiedlichster Lebensformen ist. Allein bei einem normalen Händedruck wechseln 35 Millionen Keime den Besitzer, bei einem Begrüßungskuss beidseits sogar fast fünfzig Millionen. Daraus sollte nun nicht Angst vor einer belebten Umwelt, sondern vielmehr Lust auf Stärke und die Fähigkeit zum Bestehen in dieser Welt entstehen.
Eine intakte körperliche Abwehr ist (über)lebenswichtig und setzt geistig-seelische Offenheit und die gesunde Bereitschaft voraus, sich zu wehren. Die Seuchenärzte der alten Zeit konnten es sich leisten, den Todkranken offen zu begegnen und sie zu behandeln, ohne selbst zu erkranken, wenn sie es aus innerer Überzeugung und Berufung taten. Je offener und stärker das Bewusstsein, desto effizienter und leistungsfähiger ist auch die Abwehr. Ähnlich erleben das viele Mütter, wenn alles um sie herum krank ist und nur sie auf den Beinen bleiben, damit sie auch alle versorgen und pflegen können. Oft werden sie erst krank, wenn die anderen wieder gesund sind.
Wer sich im Bewusstsein durch übertriebenes Zumachen nicht mehr erregen lässt, muss damit rechnen, dass sein Nein zum Leben und die Unfähigkeit, sich innerlich zu öffnen, einer Öffnung gegenüber allen möglichen Erregern Vorschub leistet.
Die Aufgabe wäre - wie immer -, dem Körper das Thema abzunehmen. Anstatt ihn also allen möglichen Keimen zu öffnen, ginge es darum, im Bewusstsein allen möglichen Themen, Ideen und Impulsen gegenüber aufgeschlossen zu werden und sie in sich keimen, wachsen und leben zu lassen. Oder anders ausgedrückt: Wer inneres lebendiges (Seelen-)Leben zulässt, braucht nicht so viel lebendige Keime in sich einzulassen. Wo schon viel Leben ist und keimt, haben von außen kommende Erreger wenig Chancen. Innere Leere dagegen in einem Sinn von Langeweile und Unlebendigkeit, aber auch Überlastung und Schlafmangel, sowie erlebte Auswegslosigkeit laden Erreger geradezu ein, einzufallen und sich auszubreiten. Übertriebene Öffnung gegenüber (verschiedenen) Erregern auf der Ebene der Immunabwehr ist folglich als Aufforderung zu verstehen, sich auf Bewusstseinsebene mehr dem Leben zu öffnen. Es ginge also darum, das Seelenleben solcher Kinder zu bereichern, ihnen zu helfen, aufgeschlossener und empfangsbereiter zu werden, ihre Lust auf Leben und die entsprechenden Erfahrungen zu steigern und ihren Mut anzuspornen, sich dem Leben mit seinen Herausforderungen und erregenden Themen zu öffnen. Wenn das innere Leben angefacht wird und blüht, lädt der Organismus deutlich weniger Erreger ein. Ein anregendes, mutiges und offensives Leben voller Überraschungen und Anpassungsbereitschaft ist also ein guter Schutz gegen äußere Bedrohungen aus dem Reich der Mikroorganismen. Noch wirksamer aber ist die Liebe. Wie Erich Fromm aufzeigt, ist die wirkliche Liebe ein »kreativer Akt der Seele«, was auf einen gesunden Ich-Bezug hinweist. Aus dem heraus ist die Liebe immer auch ein Akt des Sich-Öffnens und Hereinlassens von Fremdem. Wer gewohnt ist, aus einer liebevollen Grundeinstellung seine Grenzen dem Du zu öffnen, und bereit ist, eins zu werden mit anderen, braucht wenig Angst vor den Angriffen feindlicher Erreger zu haben. Insofern wäre allumfassende Liebe, die ja seelische Offenheit voraussetzt, die ideale Basis für ein starkes, allen Bedrohungen gewachsenes Immunsystem. So viel Offenheit wie möglich auf der Bewusstseinsebene erzeugt so viel Abwehr wie notwendig im Körper. Aber natürlich geht es auch wieder um das für das individuelle Kind richtige Mitte-l-Maß. Überforderung schwächt die Abwehr ebenso wie Unterforderung. Ähnlich wie Erwachsene an Burn-out und an Bore-out Schaden nehmen können, ist es auch bei Kindern. Ständig mit Impulsen und Anregungen überschüttet zu werden kann durch dieses Zuviel zu Infektanfälligkeit führen. Aber auch Kinder, die sich im Sinne des Bore-out (vom englischen bore für »Langweiler«) zu Tode langweilen, sind anfällig. Insofern kann es keine allgemeingültigen Richtlinien geben. Und was für ein Kind zu viel ist, kann für ein anderes nicht genug sein. Auf körperlicher Ebene haben abhärtende Maßnahmen wie etwa Kneipp-Übungen oder Schlafen bei offenem Fenster ebenfalls abwehrsteigernde Wirkungen. Kinder Wind und Wetter auszusetzen kann so ein sehr bewusster und verantwortlicher Akt sein. Um sich gegen Lebensfeindliches zur Wehr zu setzen, muss der Körper die Chance bekommen, zu lernen, mit Widrigkeiten umzugehen. Laut Friedrich Graf gilt es, Mut und Zuversicht statt Angst, Aktivität statt Passivität, Selbständigkeit statt Abhängigkeit zu vermitteln.
• Wie können wir unserem Kind helfen, sich auf gesunde Weise zu verteidigen und
mit dem gewonnenen Mut die Umwelt neu zu erobern?
• Wo fehlt unserem Kind die Offenheit gegenüber seiner Umwelt?
• Wie können wir seine Neugier wecken?
• Wodurch kann die Lebenslust gefördert werden?
• Wie können wir unserem Kind mehr Vertrauen geben, damit es mutiger leben kann?
• Wo geben wir zu viel Schutz, wo wird das Kind »überbeschützt« ?
• Was kann es allein bewältigen, was können wir ihm zumuten?
Mit der Muttermilch bekommt das Kind in den ersten sechs Monaten alle wichtigen Nährstoffe, die es zum Leben benötigt, Wärme und Geborgenheit sowie Abwehrstoffe, die es vor Krankheit schützen. Deshalb sollte es gestillt werden.
Wollunterwäsche, Mütze, dicke Socken bzw. Hausschuhe. Abends wärmende Massagen der Arme und Beine mit Malvenöl. Das Öl und die Massage wärmen den Körper, die Berührungen und die Nähe die Seele.
beim Thema »Bettnässen« beschrieben (Kapitel 15.2).
je nach Alter mäßige Saunabesuche. Kein Zwang, dem Kind muss selbst überlassen werden, wie lange es in der Sauna verweilen möchte.
Dies ist ein schönes Spiel für kleinere Kinder). Im »Storchengang« in 10 bis 18 Grad kaltem, wadentiefem Wasser bewegen. Am besten im Freien.
Arme und Beine abwechselnd mehrmals warm und kalt abduschen. Kalt aufhören. Diese »Abhärtung« können ältere Kinder morgens selbständig unter der Dusche durchführen.
auf der Wiese, im Winter auch im Schnee, und andere Übungen nach Kneipp.
Selbst bei Erwachsenen haben wir inzwischen detaillierte wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit dieser uralten »Übung«. Mit dem Mittagsschlaf gewinnt man gleichsam die zweite Tageshälfte dazu, da das Energieniveau sich so noch einmal anheben lässt. Noch besser wirkt für viele eine Tiefenentspannung, da sich damit nach einigen Wochen tiefere Ent-spannungs- bis zu Trancezuständen erreichen lassen. Ideal wäre wenn die Mittagsruhe gar nicht erst verlernt würde und höchstens später durch Tiefenentspannung ersetzt wird. Typgerechte Ernährung: mehr darüber im Kapitel »2.3.1 Ernährung«.
Wasser ist unser wertvollstes Lebensmittel. Wir können lange Zeit ohne Nahrung auskommen, ohne Wasser wird es jedoch schon ab dem dritten Tag schwer. Alles Leben begann im Wasser, und unser Körper besteht zu über 70 Prozent daraus, es sorgt für einen optimalen Stoffwechsel, regelt die Körpertemperatur und die Verdauung, regt den Kreislauf an und hilft bei der Entgiftung. Kinder sollten schon früh lernen, ausreichende Wassermengen zu trinken, andere Getränke wie Limonaden, Cola, unverdünnte Säfte sind besonderen Situationen (Geburtstagen, Festen usw.) als Ausnahme vorbehalten. Das hört sich strenger an, als es ist, wenn Eltern mit entsprechendem Beispiel vorangehen. Die richtige Trinkmenge variiert je nach Körpergewicht, körperlicher Aktivität und Jahreszeit.
Kinder ab dem zweiten Lebensjahr zirka 400 bis 600 Milliliter. Kinder von drei bis sechs Jahren zirka 500 bis 800 Milliliter. Kinder von sieben bis zehn Jahren zirka 600 bis 1000 Milliliter. Kinder von elf bis vierzehn Jahren zirka 600 bis 1300 Milliliter. Bunte Gläser oder Becher mit Motiven, Schnapsgläser, Strohhalme, Papierschirmchen oder Ähnliches können Trinken interessanter machen.
Zur Geschmacksverbesserung kann man den Saft von 2 Zitronen, etwas Honig, Birnendicksaft oder Stevia ins Wasser geben. Nicht während der Mahlzeiten trinken, das stört die Verdauung und führt häufig zu verfrühtem Sättigungsgefühl. Eiskalte Getränke werden meist schlecht vertragen. Der Körper muss viel Energie aufwenden, um sie aufzuwärmen, das schwächt den Organismus. Bieten Sie zimmerwarme oder heiße Getränke an.
Getränke nicht süßen, keinesfalls mit Süßstoff, höchstens mit Stevia. Fruchtsaftgetränke bestehen fast ausschließlich aus Zuckerwasser, Fruchtnektare enthalten nur zur Hälfte Fruchtsaft. Bevorzugen Sie 100-prozentigen Fruchtsaft aus Konzentrat oder Direktsaft und verdünnen Sie diesen zum Trinken gut. Nur qualitativ gute Säfte im Verhältnis 1:3 mit Wasser verdünnen. Frisch gepresste Säfte ebenfalls verdünnen, da kind nie die gleiche Menge an Obst oder Gemüse essen könnte, die nur ein Glas Saft ergibt.
an frischer Luft, egal, bei welchem Wetter.
(»Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.«)
1 bis 2 Teelöffel täglich in einem Glas Saft in der kalten Jahreszeit unterstützt und stärkt die Abwehrkräfte.
Kindergarten- und Schulkinder, die sich ständig anstecken, können mit Eleu-Kokk M Saft (1 bis 2 Teelöffel täglich) vorbeugen.
Herstellung und Anwendung siehe das Kapitel »11.2 Neurodermitis und Milchschorf«.
Individuelle Darmsanierung bzw. Symbioselenkung nach vorheriger Stuhluntersuchung.
• Echinacea (Sonnenhut): alle 1 bis 2 Stunden 3 Globuli (D3/D6).
• Umckaloabo (Pelargonium reniforme), in Österreich »Kaloba« (Pelargonium sidoides):
gutes Medikament bei Infekten, besonders mit bronchialer Beteiligung, nicht zur
Vorbeugung, da bei inflationärer Anwendung Leberschäden beobachtet wurden!
• Angocin Anti-Infekt: Kapuzinerkressekraut, Meerrettichwurz, Anwendung nach
Alter (siehe Packungsbeilage).
• Sambucus nigra von Ceres (Holunder-Urtinktur): 3-mal täglich 2 bis 4 Tropfen,
wirkt schweißtreibend, vermehrt die Bronchialsekretion und regt das Immunsystem an.
• Lindenblütentee: fördert die Schweißbildung und wirkt so entgiftend und entlastend.